Wasser - Die Aufnahme von Wasser ist die
Grundvoraussetzung für die Keimung des
Samens. Das Wasser vergrößert die Zellen,
aktiviert Wirkstoffe und baut Reservestoffe um.
Der Samen quillt, die Samenschale platzt auf
und die Wurzelspitze erscheint. In diesem
Stadium ist eine gleichmäßige, ausreichende
Bodenfeuchte lebensnotwendig. Trockenheit
führt zum Absterben des Keimlings. Der
Boden sollte nach der Aussaat angedrückt
werden, um Bodenhohlräume zu verdichten
und somit die Wasserversorgung zu verbessern.
Sauerstoff -
Zuviel Wasser ist schädlich, weil der Sauerstoff
verdrängt wird und die Samen faulen können.
Samen mit langen Auflaufzeiten wie Möhren,
Sellerie, Porree und Tomaten können einen
Tag lang bei Zimmertemperatur in einem
feuchten Leinenbeutel oder in einem mit
feuchtem Sand gefüllten Plastiksack aufbewahrt
und somit aufgeweicht werden.
Licht -
Die Samen von den meisten Pflanzenarten
keimen bei Licht und bei Dunkelheit gleich gut.
Es gibt jedoch Lichtkeimer, bei denen das Licht
eine notwendige Keimvoraussetzung ist. Zu
den Lichtkeimern zählen viele Pflanzenarten
mit sehr feinem Samen wie z. B. Sellerie,
Basilikum, Lavendel. Das Saatgut wird in diesen
Fällen nur aufgestreut und leicht angedrückt. Es kann mit wenig Quarzsand übersiebt
und nach dem Angießen bis zur
Keimung mit einer Glasscheibe oder Folie
abgedeckt werden. Bei den Dunkelkeimern
handelt es sich meist um Pflanzenarten mit
größerem Samen. Hierzu zählen z. B. Kürbis,
Tomate, Phacelia und Lauch. Da das Licht die
Keimung hemmt, wird der Samen mit Erde
bedeckt.
Temperatur -
Einige Pflanzenarten wie z. B. Enzian,
Christrosen, Ranunkeln oder viele Anemonen
und Gehölze brauchen sehr niedrige
Temperaturen, um keimen zu können. Viele
von diesen Kaltkeimern - auch als Frostkeimer
bezeichnet - sind an ihrem ursprünglichen
Heimatstandort längeren Frost- und
Schneeperioden ausgesetzt. Diese natürlichen
Verhältnisse müssen nachgeahmt werden.
Entscheidend sind keine Frostgrade, sondern
Temperaturen, die meist zwischen +2
und +8 °C liegen. Sät man solches Saatgut
erst im Frühjahr aus, kann es vor der Aussaat
3 - 4 Wochen im Kühlschrank gelagert und
anschließend ausgesät werden.
Bei einigen Pflanzenarten keimen die Samen
nicht, obwohl die Keimungsbedingungen
günstig sind. Diese Samen befinden sich in
einer Keimruhe, die gebrochen werden muss.
Die Keimruhe ist eine lebensnotwendige
Anpassung an die Umweltverhältnisse am
natürlichen Standort.
Saatgutvorbereitung -
Bei Pflanzenfamilien wie Leguminosen,
Geraniaceen und Malvaceen müssen in der
Natur die Sperrschichten der Samenschale
durch Mikroorganismen abgebaut werden,
da sie wasserundurchlässig bzw. -abweisend
sind. Dies lässt sich nachahmen durch vorsichtiges
Anritzen der Samenschale, Aufrauen
mit Sandpapier, übergießen mit kochendem
Wasser und sofortigem Aussäen nach dem
Abkühlen oder mehrwöchiges Einlagern in
belebtem Kompost bei 20 - 25 °C. Dieses
Aufrauen der Samenschale wird als
Skarifikation bezeichnet.
Bei einem unvollständig entwickelten Embryo
müssen die Samen noch einige Zeit lang liegen.
In feuchtem Sand eingelagert findet die
Nachreife des Embryos meist besonders gut
statt. Dieses als Stratifizieren bezeichnete
Vorgehen erfolgt an einem möglichst schattigen,
kühlen Platz im Freien oder im
Kühlschrank. Vor allem viele heimische
Gehölze werden vor der Aussaat stratifiziert.
Am Schluss des Prozesses beginnen die
Samen zu keimen und müssen dann umgehend
ausgesät werden.
Einige Samen haben Hemmstoffe im Samen
oder im Fruchtfleisch. In der Natur erfolgt die
Trennung vom Fruchtfleisch und der Abbau
der Hemmstoffe durch Vogelfraß und
Umwandlung in deren Darm. Der Gärtner zerreibt
oder zerstampft die Früchte, lässt das
Ganze leicht rotten und angären und trennt
Fruchtfleisch und Samen durch Abwaschen in
einem Sieb unter fließendem Wasser.
Lagerung
Saatgut ist unterschiedlich lange lagerfähig.
Aufgrund des geringen Wassergehaltes von
Samen ist die Stoffwechselaktivität stark vermindert.
Nur durch die Atmung werden die
Reservestoffe langsam abgebaut. Niedrige
Temperaturen, Trockenheit und Luftabschluss
verringern die Stoffwechselaktivität. Gut
geeignet für die Aufbewahrung sind dichte
Gläser, in denen Kieselgel enthalten ist, das
der Umgebung die Feuchtigkeit entzieht. Bei
80 - 100 °C lässt sich das Gel wieder trocknen
und kann dann erneut verwendet werden.
Die Samen der Gurke (Cucmis sativus) gelten
als besonders langlebig, sie können 6 - 9
Jahre handelsfähig sein. Die Küchenzwiebel
(Allium cepa) behält ihre Keimfähigkeit meist
nur 1 - 3 Jahre.
Lebensdauer der Blütenpflanzen
Blütenpflanzen können nach ihrer
Lebensdauer in Einjährige, Zweijährige und
Ausdauernde (im Katalog als Mehrjährige
bezeichnet) eingeteilt werden. Einjährige
Blütenpflanzen durchlaufen in einer Saison
ihren gesamten Lebenszyklus. Zweijährige
leben zwei Wachstumsperioden; meist bilden
sie in der ersten Saison Bl.tter und sammeln
Nährstoffe, um im zweiten Jahr zu blühen, zu
fruchten und abzusterben. Ausdauernde
leben mehrere Jahre und blühen in jedem
Jahr.
In Kultur werden ausdauernde Blütenpflanzen,
die im ersten Jahr am reichsten blühen,
als Einjährige behandelt und nach einer
Saison ersetzt. Frostempfindliche Ausdauernde
können in frostgefährdeten
Gebieten ebenfalls als Einjährige gehalten
werden. In beiden Fällen werden die
Blütenpflanzen auch im Katalog als Einjährige
bezeichnet.
Krautige Ausdauernde - auch als Stauden
und im Katalog als Mehrjährige bezeichnet -
sterben im Herbst meist oberirdisch ab und
bilden im Frühjahr neue Triebe. Holzige
Ausdauernde, wie Bäume und Sträucher, verlieren
teilweise ihre Blätter und legen eine
Ruhephase ein, sie behalten aber ihre holzigen
Sprosse.